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26.07.2020 - Einsatz Nr. 46: Personensuche im Gebiet Steinhauser Ried

Dementer Mann trotz intensiver Suche weiter verschwunden - wie geht es jetzt weiter?

 

Am Montagvormittag flogen noch Polizeihubschrauber über Bad Buchau, um den 86-Jährigen Mann, der seit Freitag verschollen ist, doch noch zu orten. SZ-Redakteur Kai Schlichtermann hat mit Klaus Merz, stellvertretender Kreisbrandmeister und Koordinator der Suchaktion am Wochenende, über die Aktion gesprochen.

SZ: Herr Merz, woran lag es, dass der demente Mann aus Bad Buchau trotz intensiver, rund dreitägiger Suche in der Federseeregion und Biberach nicht gefunden wurde?

Klaus Merz: Obwohl wir eindeutige Hinweise aus Bad Buchau, Dürnau, Kanzach, dem Seelenwald und Biberach hatten, können selbst rund 1000 Mitarbeiter an drei Tagen der Rettungskräfte das riesige, Quadratkilometer große Gebiet nicht komplett durchsuchen. Die zahlreichen Waldwege, das Gestrüpp und das seichte Ufer am Gewässer.

Irgendwo gibt es immer einen Busch, den man nicht richtig geprüft hat.

Wir haben den besagten Bereich bei Tag und Nacht durchforstet, sogar mit Spürhunden.

Zugleich darf man nicht unterschätzen, das Demenzerkrankte mit Laufdrang eine unglaubliche Kondition an den Tag legen können.

Wie lange dauern solche Suchaktionen normalerweise?

Oft ist es so, dass Vermisste sich natürlich unter Umständen in der Nähe ihres Wohnorts aufhalten. Aber das ist nicht immer so. Bisherige Suchaktionen konnten wir in der Regel nach drei bis vier Stunden abschließen.

Was funktionierte in der Zusammenarbeit mit Polizei und anderen Hilfskräften bislang gut, was nicht?

Die Zusammenarbeit aller Hilfskräfte und der Polizei war ausgesprochen gut, es fand bei den Lagebesprechungen immer ein reger Austausch statt, sodass alle an der Suche beteiligten den gleichen Wissenstands hatten.

An der Kommunikation zwischen den Rettern – darunter auch sehr viele ehrenamtliche –, egal ob leitend oder unterstützend, hat es meiner Meinung nicht gelegen.

Als Koordinator der Suchaktion war ich eher überrascht, dass es überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten gab.

Der 86-jährige Bad Buchauer wohnt im Pflegeheim Marienheim in Bad Buchau. Offenbar lief er einfach unbeobachtet aus dem Gebäude. Welche präventiven Maßnahmen müssten ergriffen werden, um solche aufwendigen Suchaktionen in Zukunft zu vermeiden?

Diejenigen, die nicht in geschlossenen Einrichtungen für Demenzerkrankte leben, haben grundsätzlich das Recht, sich weitgehend frei bewegen zu dürfen. Daher kann nie ausgeschlossen werden, dass jemand auch verschwinden könnte.

Dass wir besondere Kompetenz und Empathie brauchen, um solche Menschen in einer Notsituation zu retten, das steht außer Frage. Deshalb hat uns das Gemeinderatsmitglied und Pflegeexperte Michael Wissussek bei der Suchaktion als Demenzberater zur Seite gestanden.

Grundsätzlich können wir ältere Menschen nicht überwachen.

Das verbieten unsere Gesetze. Trotzdem müsste diskutiert werden, ob Demenzerkrankte einen Chip auf freiwilliger Basis – mit Einwilligung der Angehörigen – bei sich tragen sollten, damit Rettungskräfte diese Leute orten können.

Natürlich müssen dabei die Persönlichkeitsrechte und der Datenschutz berücksichtigt werden.

Die Polizei hat offenbar intensiven Kontakt zur Familie des Gesuchten. Die Feuerwehr auch? Wenn ja, wie hat die Familie dazu beigetragen, den Gesuchten aufzuspüren?

Wir hatten ebenfalls einen sehr intensiven Kontakt zu der Familie, wir informierten über unsere Maßnahmen und die Familie unterrichtete uns über den Gesuchten. Sie haben sehr konkrete Hinweise gegeben, die uns in der Regel helfen, Menschen schnell zu retten.

Gibt es Orte des Gesuchten, die er gerne aufsucht? Hat der Verschollene besondere Ereignisse in Bad Buchau erlebt? Gab es Konflikte oder Probleme in seinem Umfeld? Antworten helfen uns weiter. Aber in diesem Fall sind wir nicht weitergekommen.

Aus welchen Gründen fahndet die Polizei erst drei Tage nach dem Verschwinden des Mannes mit dem Foto des Gesuchten?

Die Feuerwehr in Bad Buchau hat frühzeitig bei der Familie ein Foto nachgefragt. Das nutzten wir bei der Suche in unseren Medien. Bei Facebook verzeichneten wir sogar etwa 20 000 Zugriffe. Die Bevölkerung hat offenbar daran Anteil genommen und die Augen offen gehalten.

Am Sonntag hat es Suchmaßnahmen in Biberach gegeben. Gab es konkrete Anhaltspunkte oder war die Suche auf gut Glück?

Es gab Hinweise auf einen möglichen Aufenthalt in Biberach. Sogar im Umfeld des Sohnes, der in einem Hospiz untergebracht ist. Unsere Suchhunde erschnüffelten eine Spur, aber die hat sich nicht konkretisiert.

Wie werden die Rettungskräfte weiter vorgehen?

Die Suchaktion der Rettungskräfte im Umkreis von Bad Buchau ist definitiv beendet.

Das ist üblich nach drei Tagen, zumal ein Mensch ohne Wasser und Nahrung nirgendwo mehr als vier Tage ausharren kann.

Gleichwohl werden die Ermittlungen weiterlaufen. Wenn uns die Polizei anfragt, werden wir sie dabei unterstützen. Dann müsste aber die Polizei auch Hundertschaften stellen.

 

 

Quelle. Schwäbische Zeitung Online - https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-biberach/bad-buchau_artikel,-dementer-mann-trotz-intensiver-suche-weiter-verschwunden-wie-geht-es-jetzt-weiter-_arid,11250871.html

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